Verwendung

Mit dem Future Classroom Toolkit können Schulleiter, Entscheidungsträger im Bildungsbereich, Lehrkräfte und IKT-Anbieter Future Classroom-Szenarien erstellen und umsetzen, mit denen innovative Lehr- und Lernmethoden anschaulich dargestellt werden. Es dient zur Einführung oder Erweiterung des innovativen Gebrauchs von IKT in einer Schule oder einer Anzahl von Schulen innerhalb eines Bildungssystems. Das grundsätzliche Ziel des Prozesses ist das Bewirken inkrementeller und zugleich nachhaltiger Veränderungen im Bildungssystem.

Mit dem Toolkit wird die Nutzung von IKT in der gesamten Schule auf folgende Weise vorangetrieben:

  • Schaffung einer Bildungsvision, die ehrgeizig aber erreichbar ist
  • Einbeziehung aller wichtigen Akteure, die an der Konzeption einer IKT-Strategie für Schulen beteiligt sind
  • Konzentration auf fortschrittliche pädagogische Methoden und Änderungsmanagement
  • Konzeption einbeziehender und – aufgrund der Nutzung von IKT – innovativer Lernaktivitäten zur Unterstützung des Erwerbs von Kompetenzen des 21. Jahrhunderts durch die Lernenden
  • Evaluation der Verwendung von Lernaktivitäten

Für wen ist das Toolkit bestimmt?

Das Toolkit eignet sich für Akteure, die an der Umsetzung nachhaltiger Veränderungen in Lehre und Lernen beteiligt sind, insbesondere:

  • Schulleiter und Lehrkräfte – zum Beispiel wenn für eine Schule Investitionen in Technologie oder Änderungen des Lehrplans bzw. Umbauten in Erwägung gezogen werden
  • Berater auf regionaler oder nationaler Ebene – zur Unterstützung des Änderungsmanagements, insbesondere bei der Einführung von Technologie
  • Technologieanbieter, Berater und andere Interessengruppen – zur Unterstützung und Anleitung der Schulen bezüglich der Entwicklung ihrer IKT-Strategie und zur Ausrichtung der eigenen Produkt- und Serviceentwicklung

Wie ist das Toolkit zu verwenden?

Das Kit besteht aus sechs Toolsets, die jeweils eine Reihe von Ressourcen beinhalten, und kann an lokale Anforderungen und Gegebenheiten angepasst werden. Die enthaltenen Ressourcen lassen sich eigenständig verwenden oder im Rahmen eines Gesamtprozesses zu Entwicklung von Future Classroom-Szenarien. Mit dem Toolkit können Veränderungen in einem einzelnen Klassenzimmer, der gesamten Schule oder dem jeweiligen Bildungssystem vorangetrieben werden.

Innovationen im Klassenzimmer – Die in diesem Toolkit beschriebenen Future Classroom-Szenarien und die Prozesse für deren Erstellung und Verwendung wurden in über 2.500 Klassenzimmern in ganz Europa getestet. Anhand dieser Szenarien können Schulen – oder Teams innerhalb von Schulen – ihre aktuelle Praxis überdenken und innovative Lehr- und Lernansätze erarbeiten und umsetzen.

Systemweite Änderungen auf regionaler, nationaler oder internationaler Ebene – Das Toolkit wurde im Rahmen eines internationalen Projekts entwickelt, an dem sich Entscheidungsträger im Bildungsbereich aus über 14 Ländern beteiligten. Die Tools beziehen sich deshalb auf eine Reihe häufiger Trends und Herausforderungen, mit denen Entscheidungsträger konfrontiert werden, wenn sie die verschiedensten Technologien und Lösungen in Bildungssystemen einführen und umsetzen.

IKT-Anbieter – Darüber hinaus ermöglicht das Toolkit IKT-Anbietern ein besseres Verständnis der Anforderungen von Schulen und Pädagogen. Das Toolkit wurde mit Unterstützung durch die Europäische Kommission im Rahmen eines Projekts entwickelt, bei dem Bildungsministerien und IKT-Anbieter partnerschaftlich zusammenarbeiteten. Ein besonderer Nutzen des Toolkits besteht darin, dass es Anbietern die Zusammenarbeit mit Entscheidungsträgern und Lehrkräften bei der Entwicklung einer gemeinsamen Vision für die effektive Bereitstellung und Nutzung von Technologie im Lernprozess ermöglicht.

Die Tools einzeln oder in einem Gesamtprozess verwenden

Das Toolkit wurde ursprünglich als ein Gesamtprozess zur Erstellung von Future Classroom-Szenarien (FCS) und deren Nutzung als Inspirationsquelle für die Konzeption innovativer Lernaktivitäten entwickelt. Allerdings bietet jedes Toolset auch für sich einen Nutzen, wie nachstehend ausgeführt.

Toolset

Als Teil des FCS-Prozesses (auf Schul- oder Systemebene)

Als einzelne Tools

1 – Bestimmung der Akteure und Trends

Zu Beginn der Erstellung eines FCS werden gemeinsam mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen zunächst Trends – die Bausteine eines FCS – ermittelt. Damit wird festgestellt, welche Veränderungen sich vermutlich in der Zukunft auf die Schulen auswirken werden.

Zur Bestimmung, wer bei Prozessen des Änderungsmanagements einbezogen werden sollte. Entscheidungsprozesse im Bildungsbereich sollten auf einer kompetenten Ermittlung der Trends basieren.

2 – Reifemodellierung für Future Classroom

Für die Erstellung eines nützlichen FCS muss die Reife einer Schule dahingehend beurteilt werden, wie dort IKT für Lehre und Lernen eingesetzt wird.

In vielen Schulen und Ländern wird eine Selbstbeurteilung durchgeführt, um den aktuellen Fortschritt bei der Anwendung von IKT effektiv zu ermitteln.

3 – Erstellung eines Future Classroom-Szenarios

Präsenz-Workshop-Aktivität zur Erstellung eines FCS als Vision für Veränderungen

Einfache Anpassung und Übernahme eines vorhandenen Szenarios aus der FCS-Datenbank

4 – Konzeption innovativer Lernaktivitäten

Das FCS dient als Inspiration für die Konzeption innovativer Lernaktivitäten mit Anleitungen und Unterstützung zur Verwendung von Lerntechnologien.

Anhand eines vorhandenen FCS kann eine Reihe von Lernaktivitäten erstellt werden.

5 – Evaluation der Innovationen im Unterricht

Nach der Erstellung sollten mit Lernaktivitäten reale Veränderungen im Unterricht umgesetzt werden. Die Aktivitäten sind dahingehend zu bewerten, ob sie die gewünschten Innovationen bewirken.

Vorhandene Lernaktivitäten können im Unterricht verwendet und evaluiert werden. 

Die Future Classroom-Methodik

Das Future Classroom Toolkit beinhaltet eine Reihe von Materialien, IKT-Tools und anderen Ressourcen, die die Benutzer durch einen Gesamtprozess zum Änderungsmanagement führen. Mit dieser Methodik wird sichergestellt, dass die Bereitstellung von IKT in den Schulen auf einer verlässlichen Vision des zukünftigen Klassenzimmers beruht und dass die Benutzer die IKT effektiv zur Unterstützung fortschrittlicher pädagogischer Ansätze einsetzen.

Der Prozess basiert auf den Arbeiten im Rahmen des iTEC-Projekts. Bei diesem Projekt, das von der Europäischen Kommission finanziell unterstützt wurde, untersuchten und evaluierten 26 Projektpartner, darunter 17 Bildungsministerien, wie sich Technologie effektiv in Schulen einsetzen lässt und wie Szenarien für das Klassenzimmer der Zukunft ausgehend von kleinen Pilotprojekten auf eine große Zahl von Schulen ausgeweitet werden können. Zwischen 2010 und 2014 wurden iTEC Future Classroom-Szenarien und Lernaktivitäten in über 2.500 Klassenzimmern in 19 europäischen Ländern getestet und evaluiert.

Der Prozess läuft in mehreren Phasen ab.

Phase 1 – Entwicklung inspirierender Future Classroom-Szenarien

Ein Future Classroom-Szenario (FCS) ist eine ausführliche Beschreibung der Lern- und Lehraktivitäten als Grundlage für Innovationen und fortschrittliche pädagogische Praxis bei effektiver Nutzung von IKT. Ein FCS stellt kein Unterrichtsskript dar, sondern soll die Lehrkräfte anregen, ihre eigene Praxis über die Anpassung der vorgestellten Ideen zu ändern.

Ein Future Classroom-Szenario wird von verschiedenen Akteuren gemeinsam erstellt, die die Herausforderungen und Chancen, die bei der Planung von zukünftigen Bildungsinhalten zu berücksichtigen sind, aus unterschiedlichen Blickwinkeln beurteilen. Zu diesen Akteuren zählen zum Beispiel Lehrkräfte, Schulleiter, Bildungsexperten, Arbeitgeber, Eltern, Schüler usw. Ihre Aufgabe besteht darin, neue Trends zu erkennen, die sich wahrscheinlich auf das Lernen und Lehren in der Zukunft auswirken werden. Sie beurteilen auch den Reifegrad in der Verwendung von IKT, den eine Schule besitzt, um den gewünschten Reifegrad zu bestimmen, den die Schule erreichen möchte.

Anhand der Trends und des Reifegrads wird das Szenario erstellt, das eine Übersicht über die Lernaktivitäten und Funktionen der Ressourcen liefert. Im Szenario werden die Rollen der Schüler, der Lehrkräfte und der anderen Mitwirkenden beschrieben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf fortschrittlichen Ansätzen für Lernen und Lehren, die die Schüler beim Erwerb der Kompetenzen des 21. Jahrhunderts unterstützen. Future Classroom-Szenarios müssen sich jedoch nicht auf das Klassenzimmer beschränken, sondern können in beliebigen Kontexten und Umgebungen bzw. an allen Orten durchgeführt werden, an denen Lernen möglich ist.

Phase 2 – Konzeption innovativer Lernaktivitäten

Der Zweck der Future Classroom-Szenarien ist die Inspiration, das heißt, sie präsentieren eine Vision dessen, was zur Unterstützung von Innovationen beim Lernen und Lehren unternommen werden könnte. Aus diesem Grund fehlen manche Details, und die Lehrkräfte stehen bei der Umsetzung vor eine Reihe von Herausforderungen.

Die zweite Phase der Future Classroom-Methodik besteht in der Nutzung der Future Classroom-Szenarios als Inspirationsquelle für die Konzeption von Lernaktivitäten, die von den Lehrkräften in der Praxis angewendet werden können. Dies beinhaltet einen kollaborativen Prozess, bei dem Gruppen aus Lehrkräften, häufig aus verschiedenen Fachbereichen und mit unterschiedlichem Hintergrund, in einem Workshop zusammenarbeiten.

Eine Lernaktivität ist eine konkrete Beschreibung einer Unterrichts- und Lernerfahrung, die nicht fachspezifisch ist. Sie kann also von allen Lehrkräften umgesetzt werden. Mit der kollaborativen Konzeption von Lernaktivitäten sollen die Lehrkräfte in die Lage versetzt werden, visionäre Bildungsszenarien in tatsächliche Unterrichtspraktiken umzuwandeln. Die Szenarien liefern somit einen Anreiz für die Entwicklung innovativer Lernaktivitäten.

Phase 3 – Test und Evaluation von Lernaktivitäten

In der finalen Phase nutzen die Lehrkräfte die Lernaktivitäten als Grundlage für die Unterrichtsplanung. Eine Zusammenstellung von Lernaktivitäten kann in bestimmten Abfolgen einen Aspekt des Lehrplans vermitteln. Die Lehrkräfte müssen entscheiden, wie und wann sie die Aktivitäten nutzen möchten und welche Ergebnisse erzielt werden sollen. Damit wird bezweckt, dass die Lehrkräfte neue und fortschrittlichere Ansätze für den Unterricht und die Unterstützung des Lernverhaltens ausprobieren. Im Rahmen des Prozesses werden die Lehrkräfte in der Nutzung der Ressourcen und Technologien angeleitet. Zum Beispiel wurde eine Reihe von Hilfsmitteln entwickelt, um die Lehrkräfte bei der Suche nach Ressourcen und Tools und bei deren Anwendung zu unterstützen, um so Innovationsbarrieren abzubauen.

Während des Ausprobierens neuer Ansätze wird die Umsetzung der Lernaktivität evaluiert, und die Lehrkräfte werden aufgefordert, ihre Erfahrungen innerhalb einer Gemeinschaft von Praktikern zu teilen. Dieser Vorgang ist als iterativer Prozess ausgelegt, wobei die Erfahrungen beim Ausprobieren neuer Ansätze und Technologien in die Weiterentwicklung von zunehmend innovativeren Future Classroom-Szenarien und Lernaktivitäten fließen.

Erfahrungsberichte von Anwendern

Der Schulleiter der Odda-Sekundarschule in Norwegen, Sven Olaf Brekke, erläutert, wie er den Future Classroom-Prozess, der im Rahmen des iTEC-Projekts entwickelt wurde, genutzt hat, um seine Lehrkräfte bei Innovationen zu unterstützen.

Drei Lehrkräfte aus drei verschiedenen Ländern – Spanien, Frankreich und Portugal – berichten, wie ihnen der Future Classroom-Prozess und die entsprechenden Hilfsmittel (innerhalb des iTEC-Projekts) dabei geholfen haben, das Innovationsprinzip in ihre Unterrichtspraxis einzuführen.